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Elfriede Gerstl
Behüte behütet


Werke Band 2
2013
ISBN: 9783854208440
28.- €
gebunden mit Lesebändchen, 21 x 15 cm
ca. 430 Seiten
mit Fotos und Faksimiles



Herausgegeben und mit einem Nachwort von Christa Gürtler und Helga Mitterbauer
in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek


Platz 2 der ORF-Bestenliste August 2013

Das Buch

Der zweite Band der vierbändigen Werkausgabe Elfriede Gerstls (19322009) umfasst die Buchpublikationen der Jahre 19821993, Wiener Mischung (1982) mit der erweiterten Zweitauflage neue wiener mischung (2001), die »auf reisen entstandenen gedichte« Vor der Ankunft (1988) sowie die Sammlung Unter einem Hut (1993).

In diesen Gedichten, Prosatexten und Essays seziert Elfriede Gerstl althergebrachte Konventionen und zielt mit poetischer Sprachvirtuosität behutsam auf die gesellschaftlichen Untiefen der Zeit: In-groups und ihre Ausgrenzungsmechanismen, Chauvinismen und Solipsismen, Modeerscheinungen sowie die »unzynische Unmoral« des Literatur- und Kunstbetriebs. Während sie verkannten AutorInnen den gebührenden Platz einräumt, richtet sie ihre subversive Ironie gegen die »Übertreibungskünstler«, die Mächtigen und die Paranoia der Abendlandbeschützer. Sich selbst verortet Elfriede Gerstl gerne am Rand etwa der Wiener Gruppe, die sie als Männerbund erfährt, der Frauen nur duldet, wenn sie schweigen. Ihre kritische Position bringt Franz Schuh treffend auf den Punkt: »Diese Klagen sind nicht kläglich, denn sie beruhen ebenso auf Erfahrung wie auf Analyse, und sie haben Stil.«

Pressestimmen

»Unter diesem Hut hat jedenfalls vieles Platz, vor allem aber wunderbar Leichtes und wunderbar Eindringliches, das es wiederzulesen oder auch neu zu entdecken gilt.« (Marianne Fischer, Kleine Zeitung)

»Gerstl war eine genuine Dichterin, die den Kosmos in seinem falschen Schweigen, in seiner Schweigsamkeit der Macht zu entlarven verstand, die das Verschwiegene selbst sprechend machte, die mittels der kleinen, unscheinbaren Dichtung das Große ins Wanken brachte, Mikrologien entfesselte, die schließlich ans Sein rührten.« (Martin A. Hainz, Fixpoetry)

»Mit Elfriede Gerstls Essays liegt ein Organon vor, welches auch noch Nein : gerade heute ! allfällige Avantgarde- Attitüden und habituelle Distinktionen beschreibt , benennt und somit greifbar und begreifbar werden lässt . Womöglich gibt es überhaupt keine bessere Einführung in die Soziologie der Künste im Wien der sechziger und siebziger Jahre. Zusammen mit DEM poetischen Referenzwerk der Neuen Wiener Mischung sowie dem lange nicht mehr greifbaren Band Vor der Ankunft . Auf Reisen entstandene Gedichte dokumentiert dieser Band 2 der Werkausgabe eine ungemein fruchtbare Phase . Entsprechend würden wir jedem Gerstl- Aspiranten als Ein- und Engführung in wichtige und richtungsweisende Register von Elfriede Gerstls Dichtung dieses erstaunlich massive Buch ans Herz und in die Hand legen. " (Christiane Zintzen, inadaequat)

"Elfriede Gerstl ist nicht tot, denn die hervorragende Werkausgabe des Droschl-Verlages macht ihr Werk endlich wieder zugänglich, und wo immer man sie aufschlägt, stößt man auf Texte, die ihre Frische bewahrt haben und ihr Potenzial, einen in Staunen zu versetzen oder einem schlagartig einen Erkenntnisruck zu verpassen." (Cornelius Hell, Der Standard)




© Manfred Thomas
Die Autorin

Elfriede Gerstl, am 16. Juni 1932 in Wien geboren und am 9. April 2009 dort gestorben, überlebte als Jüdin die NS-Zeit in mehreren Verstecken. Sie studierte Medizin und Psychologie, brach das Studium ab, heiratete Gerald Bisinger; Geburt einer Tochter.
Als einzige Frau im Umkreis der Autoren der ›Wiener Gruppe‹ und der frühen Aktionisten, die aus Wien vertrieben wurden, lebte sie in den bewegten 60er Jahren in Berlin, seit 1968 wieder in Wien, wo sie konsequent außerhalb des Literaturbetriebs steht.
Veröffentlichungen seit der Mitte der 50er Jahre; für ihr Werk erhielt sie den Erich Fried-Preis und den Georg Trakl-Preis, 2004 den Ben Witter-Preis und 2007 den Heimrad Bäcker-Preis.

Pressestimmen zur Autorin

»Wer eine Telenovela gesehen hat, braucht ein paar zarte Gerstl-Texte, um wieder gesund zu werden, das ist das notwendige Medikament angesichts einer solchen Kunstkonfektion oder Konfektionskunst. Die kleinen Textpartien bei Elfriede Gerstl mögen als Bagatellen gelten, aber diese Bagatellen haben eine exquisite Tradition: Hier muss sich die Spannkraft jedes einzelnen Satzes bewähren, hier kommt es auf Wortfolge an, auf die kleinsten rhythmischen Einheiten. Peter Altenberg und Franz Kafka, Konrad Bayer und H. C. Artmann, das sind die Meister dieser Kunst, die aus dem Minimalen das Maximum herauszuholen imstande waren, und das ist ein Zusammenhang, der sich sehen lassen kann.« (Wendelin Schmidt-.Dengler)

»Der Tandelladen Literatur ein stärkeres Gegenbild zum hehren Tempel der Dichtkunst lässt sich nicht finden. Elfriede Gerstl hasst alles Prätentiöse und Pathetische wie die Pest. (…) Eine Meisterin des Minimalismus, die den Diminutiv zur künstlerischen Methode gemacht hat.« (Daniela Strigl, Falter)

»Die Literatur der Elfriede Gerstl gehört zum Feinsten, was die österreichische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. Gerstls Lyrik nimmt einem die Scheu vor Gedichten, sie ist anspruchsvoll und ansprechend zugleich. Es gibt lustvolle Breitseiten, spitzzüngig Geschliffenes, zarte Umkreisungen von Nähe, Zuneigung und über die Jahre verteilt wundervolle poetologische An- und Ausflüge. Elfriede Gerstl ist eine wache Beobachterin gesellschaftlicher Veränderungen auf verschiedensten Ebenen. Zu ihren Verdiensten zählt aber auch, das Gewichtige leicht darstellen zu können. Wenn sie in ihren Essays und Gedichten komplexe Zusammenhänge durchdringt, geschieht das so luzide wie lakonisch.« (Petra Nachbaur, Wiener Zeitung)

»Alles lässt sich auch beiläufig sagen - unangestrengt, knapp und subtil, mit Ironie und wie unabsichtlich - beiläufig eben.
Elfriede Gerstls knappe Gedichte, Dialoge, Traumsequenzen und "Denkkrümel", wie sie selbst manche ihrer Texte nannte, sind für mich eine Schule der Wort-Askese und der Befreiung vom Phrasen-Ballast, der einen gnadenlos hinunterzieht in die konventionelle, abgegriffene, verbrauchte Sprache.« (Cornelius Hell, Ö 1 Gedanken für den Tag)

Heimito von Doderer errichtete Elfriede Gerstl ein Denkmal in seinem Roman Die Merowinger, und zwar in der Figur einer »jungen Dame, namens Elisabeth Friederike Krestel, die ursprünglich sogar Medizin und Psychologie studiert hatte«:
»Schließlich erfuhr er, daß sie selbst schreibe, und sein Entzücken kannte keine Grenzen, als er ihre kleinen, ja, miniaturen Erzählungen las, die mit meisterlichem Geschick und einer an's Höllische grenzenden Bosheit einzelne Fäden aus dem Geweb des Lebens zupften, die Fräulein Krestel dann zu teuflischen Knödelchen zu rollen verstand, solchen, wie man sie im Magen tollwütiger Hunde findet. Später hatte sie dann ganz dem Schrfitstellerberufe sich zugewandt und es darin zu Ansehen gebracht.« (Heimito von Doderer, Die Merowinger, Biederstein 1962, S. 210 f)



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