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Elfriede Gerstl
Tandlerfundstücke


Werke Band 4
2015

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Christa Gürtler u. Martin Wedl
in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

ISBN: 9783854209676
29.- €

gebunden mit Lesebändchen, 21 x 15 cm
368 Seiten
Mit Fotos und Faksimiles

Der vierte Band der fünfbändigen Werkausgabe Elfriede Gerstls (19322009) umfasst das nach ihrem Tod 2009 erschienene Buch Lebenszeichen. Gedichte Träume Denkkrümel mit Illustrationen von Heinrich Heuer, Angelika Kaufmann und Herbert J. Wimmer und einem Nachwort von Elfriede Jelinek, sowie die verstreut publizierten Texte aus den Jahren 19552012.

Es gibt einige Überraschungen im hier erstmals vollständig nachzulesenden Frühwerk von Elfriede Gerstl entdecken. In den Gedichten und der Kurzprosa, die vor allem in den Zeitschriften ›Neue Wege‹ und ›Das jüdische Echo‹ erschienen sind, begegnen wir einer jungen Frau, die im Nachkriegsösterreich auf der Suche nach ihrer eigenen literarischen Stimme ist. Die Themen ihrer Texte sind vielfältig und reichen von heiter-skurrilen Alltagsgeschichten über religiös-mystische Allegorien bis zu Bedrohungsszenarien des Kalten Kriegs und autobiographischen Texten zum Holocaust.

In den ersten Jahrzehnten ihrer Laufbahn als Schriftstellerin arbeitete sie auch als Kritikerin, die dann ab den 1970er Jahren in Essays die gesellschaftlichen Untiefen des Kulturbetriebs und der Frauenbewegung ironisch sezierte. Ihre luziden Texte zu befreundeten AutorInnen und bildenden Künstlerinnen, u.a. zu Elfriede Jelinek, Ernst Jandl, Angelika Kaufmann oder Friederike Mayröcker, zeigen Gerstl zudem als präzise Leserin und Interpretin.

»Unter den Texten aus sechs Jahrzehnten sind Theater- und Kunstkritiken, autobiografische Essays und, natürlich, Gerstls sprachmächtige, atemraubende Gedichte von zeitloser Eleganz und Brisanz.
Ihre literarischen Hinterlassenschaften sind (selbst-)ironische, illusionslose, schmerzhafte Vorstöße in die allertiefsten Tiefen menschlicher Existenz.« (Andrea Schurian, Der Standard)

»Die fast zierlichen Texte Gerstls mieden Grobes, doch nicht aus einem Sich-Kleinmachen, sondern um Schärfe zu wahren, pointiert auf den Punkt zu treffen (...) Dieser Sinn fürs allzu Große, wogegen diese unendlich kluge Leider-nicht-mehr-Zeitgenossin kleine Stiche setzt, als lyrische Partisanin sozusagen, prägt auch die Tandlerfundstücke.« (Martin A. Hainz, Fixpoetry)




© Manfred Thomas
Elfriede Gerstl, am 16. Juni 1932 in Wien geboren und am 9. April 2009 dort gestorben, überlebte als Jüdin die NS-Zeit in mehreren Verstecken. Sie studierte Medizin und Psychologie, brach das Studium ab, heiratete Gerald Bisinger; Geburt einer Tochter.
Als einzige Frau im Umkreis der Autoren der ›Wiener Gruppe‹ und der frühen Aktionisten, die aus Wien vertrieben wurden, lebte sie in den bewegten 60er Jahren in Berlin, seit 1968 wieder in Wien, wo sie konsequent außerhalb des Literaturbetriebs steht.
Veröffentlichungen seit der Mitte der 50er Jahre; für ihr Werk erhielt sie den Erich Fried-Preis und den Georg Trakl-Preis, 2004 den Ben Witter-Preis und 2007 den Heimrad Bäcker-Preis.

Die Einzelbände der Gesamtausgabe, die jedes Jahr
zum Geburtstag der Autorin erscheinen:
Band 1 Mittellange Minis. Werke 1962-1977
Band 2 Behüte behütet. Werke 1982-1993, Juni 2013
Band 3 Haus und Haut. Werke 1995-2009, Juni 2014
Band 4 Tandlerfundstücke. Verstreut publizierte Texte 1955-2009 und der Band Lebenszeichen, Juni 2015
Band 5 Das vorläufig Bleibende, Juni 2017

Subskription bei Abnahme des Gesamtwerkes möglich.

»Wer eine Telenovela gesehen hat, braucht ein paar zarte Gerstl-Texte, um wieder gesund zu werden, das ist das notwendige Medikament angesichts einer solchen Kunstkonfektion oder Konfektionskunst. Die kleinen Textpartien bei Elfriede Gerstl mögen als Bagatellen gelten, aber diese Bagatellen haben eine exquisite Tradition: Hier muss sich die Spannkraft jedes einzelnen Satzes bewähren, hier kommt es auf Wortfolge an, auf die kleinsten rhythmischen Einheiten. Peter Altenberg und Franz Kafka, Konrad Bayer und H. C. Artmann, das sind die Meister dieser Kunst, die aus dem Minimalen das Maximum herauszuholen imstande waren, und das ist ein Zusammenhang, der sich sehen lassen kann.« (Wendelin Schmidt-.Dengler)

»Der Tandelladen Literatur ein stärkeres Gegenbild zum hehren Tempel der Dichtkunst lässt sich nicht finden. Elfriede Gerstl hasst alles Prätentiöse und Pathetische wie die Pest. (…) Eine Meisterin des Minimalismus, die den Diminutiv zur künstlerischen Methode gemacht hat.« (Daniela Strigl, Falter)

»Die Literatur der Elfriede Gerstl gehört zum Feinsten, was die österreichische Gegenwartsliteratur zu bieten hat. Gerstls Lyrik nimmt einem die Scheu vor Gedichten, sie ist anspruchsvoll und ansprechend zugleich. Es gibt lustvolle Breitseiten, spitzzüngig Geschliffenes, zarte Umkreisungen von Nähe, Zuneigung und über die Jahre verteilt wundervolle poetologische An- und Ausflüge. Elfriede Gerstl ist eine wache Beobachterin gesellschaftlicher Veränderungen auf verschiedensten Ebenen. Zu ihren Verdiensten zählt aber auch, das Gewichtige leicht darstellen zu können. Wenn sie in ihren Essays und Gedichten komplexe Zusammenhänge durchdringt, geschieht das so luzide wie lakonisch.« (Petra Nachbaur, Wiener Zeitung)

»Alles lässt sich auch beiläufig sagen - unangestrengt, knapp und subtil, mit Ironie und wie unabsichtlich - beiläufig eben.
Elfriede Gerstls knappe Gedichte, Dialoge, Traumsequenzen und "Denkkrümel", wie sie selbst manche ihrer Texte nannte, sind für mich eine Schule der Wort-Askese und der Befreiung vom Phrasen-Ballast, der einen gnadenlos hinunterzieht in die konventionelle, abgegriffene, verbrauchte Sprache.« (Cornelius Hell, Ö 1 Gedanken für den Tag)

Heimito von Doderer errichtete Elfriede Gerstl ein Denkmal in seinem Roman Die Merowinger, und zwar in der Figur einer »jungen Dame, namens Elisabeth Friederike Krestel, die ursprünglich sogar Medizin und Psychologie studiert hatte«:
»Schließlich erfuhr er, daß sie selbst schreibe, und sein Entzücken kannte keine Grenzen, als er ihre kleinen, ja, miniaturen Erzählungen las, die mit meisterlichem Geschick und einer an's Höllische grenzenden Bosheit einzelne Fäden aus dem Geweb des Lebens zupften, die Fräulein Krestel dann zu teuflischen Knödelchen zu rollen verstand, solchen, wie man sie im Magen tollwütiger Hunde findet. Später hatte sie dann ganz dem Schriftstellerberufe sich zugewandt und es darin zu Ansehen gebracht.« (Heimito von Doderer, Die Merowinger, Biederstein 1962, S. 210 f)



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